ARTIKEL: Jeden Dienstag chicken mexicaine (Basellandschaftliche Zeitung, 19.4.2006)
ARMIN BIEHLER zu seinem Spielfilm
BASEL. Seit 2002 arbeitet Armin Biehler als selbstständiger Filmproduzent. Bisher hat er hauptsächlich Dokumentarfilme gedreht, für die er auch schon einige Preise erhalten hat. Der 38-Jährige arbeitet momentan an seinem ersten Spielfilm chicken mexicaine, welchen er im ehemaligen Gefängnis Schällemätteli dreht.
bz: Armin Biehler, worum geht es in Ihrem Film chicken mexicaine?
ARMIN BIEHLER: Es ist ein Knastfilm. Einer kommt rein und will raus. Konkret geht es um meinen Helden Roby Schmucker, der es zusammen mit seinem Freund Mohammed schafft, den Direktor der Anstalt in die Knie zu zwingen. Der Film handelt auch von der Beziehung zwischen Roby und seinem Freund. Es geht um Liege und Freundschaft und um den Kontrast zwischen dem Wilden und dem Kontrollierten.
Wie sind Sie dazu gekommen, im Schällemätteli zu drehen?
Ich hatte anfangs zwei Gefängnisse im Auge. Ein leerstehendes Gefängnis in Nordirland wäre auch noch in Frage gekommen. Das Schällemätteli hat mich aber mehr fasziniert. Es ist ein Innenstadtgefängnis mit einer starken Aussenbeziehung. Das Tolle daran ist auch, dass es ein klassischer, panoptischer Gefängnisbau ist. Es ist der zweitletzte dieser Art in der Schweiz. Auch die Kathedrale aller Gefängnisfilme, Alcatraz, ist panoptisch. Das Baudepartement war sehr begeistert und hat mir das Schällemätteli für den kompletten Dreh zur Verfügung gestellt.
Wie lange haben Sie bisher an Ihrem Film gearbeitet?
Ich arbeite seit fünf Jahren intensiv an dem Drehbuch. Ich habe mindestens 2000 Stunden Arbeit investiert. Für die Recherchen habe ich mit Gefangenen, Aufsehern und Direktoren gesprochen. So konnte ich viele Anekdoten sammeln. Im letzen Jahr hat eine Gefangenen-Lesegruppe der Anstalt Pöschwies mein Drehbuch besprochen. Da war ich schon etwas nervös.
Um sich auf die Dreharbeiten einzustimmen, haben Sie eine Zelle bezogen und übernachten nun ganz alleine im Gefängnis ...
Meine neue Adresse ist Flügel 2, Zelle 145. Auch jetzt, da das Gefängnis leer steht, ist noch alles spürbar in den Klängen. Vor allem nachts. Ich verlasse meine Zelle nachts nie, nicht mal um aufs Klo zu gehen. In der Nacht gehört der Bereich den Geistern und ich gehe damit sehr respektvoll um. Ich habe auch schon mit den Schauspielern und gestern mit meiner Tochter hier übernachtet. Das Produktionsbüro haben wir jetzt auch hierhergezügelt. Man hört zwar die Aussenwelt, vor allem jetzt im Frühling mit all den Vögeln, doch man kann sich hier drin sehr gut abschotten und konzentrieren.
Hat es in chicken mexicaine autobiographische Elemente drin?
Ich habe schon erlebt, dass einer die Tür hinter mir zugeschlossen hat. Auch die Situation raus zu wollen und nicht zu wissen wie, ist mir bekannt. Ich hatte einen guten Freund, der eine Zeit lang im Schällemätteli sass, weil er seine Steuererklärung nie ausgefüllt hast. Den war ich einige Male besuchen. Dieser Freund hat mir erzählt, dass es hier jeden Dienstag chicken mexicaine zum Mittagessen gab. (api)