Artikel: „Hoffnung ist für schlecht Informierte“ (Basellandschaftliche Zeitung, 19.4.2006)

EINGESPERRT / Der Basler Regisseur Armin Biehler arbeitet seit einiger Zeit im ehemaligen Gefängnis Schällemätteli. Er bereitet sich auf einen Filmdreh vor. Biehler nahm die bz mit auf einen Rundgang durch die Haftanstalt.

BASEL. Hohe weisse Mauern mit Stacheldraht besetzt umgeben das Schällemätteli. Armin Biehler zieht einen grossen, altmodischen Schlüsselbund hervor und öffnet das Haupttor. Die eiserne Tür öffnet sich knarrend und wir kommen in den Vorhof. Die Mauern des ältesten Gefängnisses der Stadt Basel sind rostrot und voller kleiner, vergitterter Fenster.
Das ehemalige Basler Strafgefängnis wirkt etwas fehl am Platz zwischen dem modernen Biozentrum und dem Frauenspital. Wir betreten das Gebäude durch den ehemaligen Werkraum. Das Mobiliar wurde entfernt, unsere Stimmen hallen, es riecht gleichwohl immer noch stark nach Holz. Durch einen schmalen Durchgang kommen wir in einen der drei Zellentrakte, die T-förmig in drei Richtungen abgehen. Alles ist sehr eng hier. 114 Zellen gibt es, jeweils auf drei Stockwerke verteilt. „Es ist ein panoptischer Bau“, erklärt Biehler. Das Spezielle dieser Bauart sei, dass von dem zweistöckigen Wachraum im Zentrum in alle drei Träkte gesehen werden kann.
Die Zellentüren sind aus dickem hartem Eichenholz gefertigt und haben in der Mitte eine kleine Durchreiche für das Essen. Beim Eintreten in die Zellen muss man sich bücken. In den winzigen Zellen riecht es streng nach abgestandenem Rauch und altem Gestein. Neonröhren beleuchten die schmutzigen, gelbbraunen Wände. „Die kleinen Fenster sind absichtlich so angebracht, dass man beim Hinausblicken seinen Blick Richtung Himmel, sprich Richtung Gott zu wenden hat“, führt Biehler aus. In den meisten Zellen hat es Zeichnungen und Schriftzüge an den Wänden. Die Zelle 91 hat wohl ein FCB Fan bewohnt, die Wände sind voller Embleme der Basler Fussballelf. In der Zelle nebenan sind die Wände mit Pornoheften zugepflastert. „Hoffnung ist für Menschen, welche unzureichend informiert wurden!“, steht mit Bleistift an der Wand der Zelle 98 geschrieben. Tatsächlich überkommt einen beim Herumgehen das Gefühl, dass es hier nicht viel Platz für Hoffnung gibt.
Es ist eine seltsame Stimmung spürbar in dem 142 Jahre alten Gebäude. Unglaublich erscheint einem, dass das Gefängnis noch bis in den Sommer 2004 in Betrieb war. Wir gehen durch den Hinterhof, wo eine alte Holzbaracke steht. „Das war die Schreinerei, die Gefangenen mussten hier Staatssärge herstellen.“ Auch etwas makaber vielleicht, dass die Gefangenen in einem Raum der Baracke Knochen für das anatomische Museum sortieren mussten.
Im Untergeschoss des Gefängnisses befinden sich die Isolationszellen. Kleine, dunkle Räume, vom Fussboden bis an die Decke weiss gekachelt. Die Bibeln, welche die Gefangenen in der Einzelhaft bei sich haben durften, liegen immer noch auf einer Holzkommode vor den Zellen. Wir gehen wieder hoch. Die Sonne wirft einen gestreiften Schatten auf den grauen Fussboden. Als wir durch das Eisentor auf die Strasse treten, fühle ich mich befreit. (api)